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konflikt

Wie Konflikte entstehen und Sie diese vermeiden können – Teil 1/2

Inhaltsverzeichnis

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Was ist eigentlich ein "Konflikt"?

Es lassen sich verschiedenste Definitionen und Arten von Konflikten in der Literatur finden. Einer der populärsten Berater und Forscher in diesem Feld ist Friedrich Glasl. Er definiert einen sozialen Konflikt wie folgt

[Ein] sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren [...], wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor [...] in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor [...] erfolge.

Anders ausgedrückt: Konflikte werden wahrscheinlicher, wenn sich Beteiligte in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse bedroht sehen. Kommt es zu dieser Situation, kann der Konflikt nach Glasl über bis zu neun Stufen eskalieren:

konflikteskalation
Konflikteskalation nach Glasl, WikiCommons, Sampi, Glasl, 1994, S. 216, 218-219

In den ersten drei win-win-Stufen geraten beide Beteiligten in erste Spannungen, spitzen ihre Positionen zu und lassen manchmal sogar schon Taten sprechen, wenn sie der Auffassung sind, das Worte nicht mehr reichen. Gleichzeitig bestehen hier aber noch gute Aussichten und auch die Hoffnung darauf, dass beide Beteiligten mit einer Lösung aus dem Konflikt hervorgehen.

In den Phasen vier bis sechs verlagert sich der Konflikt zunehmend auf eine emotionale Ebene. Die Fronten verhärten sich, die Beteiligten entwickeln sich zu Gegnern, suchen Verbündete, defamieren sich, ja sie drohen sogar einander. Dieser „Kampf“ wird auch offen ausgetragen und zieht nur allzu häufig auch sein Umfeld in Mitleidenschaft. Ziel der Beteiligten ist jetzt, „siegreich“ aus dem Konflikt hervorzugehen.

Die letzten drei Phasen sind niemandem zu wünschen, denn hier gibt es nur noch „Verlierer“. Es geht darum, den anderen offen anzugreifen, aufzureiben ja sogar darum, ihn mit in den Abgrund zu ziehen, wenn man schon im Begriff ist, den „Kampf zu verlieren“. In dieser Phase sind die Beteiligten emotional so weit involviert, dass nur noch ein professioneller und/oder weisungsbefugter Eingriff von Außen den Konflikt unterbricht, zum Beispiel durch räumliche Trennung.

„Warum reden wir dann nicht einfach über unsere Bedürfnisse?“ könnte eine Frage lauten. Einerseits weist diese Frage auf einen wichtigen Punkt hin (dazu später mehr), andererseits ist das Feld sozialer Interaktionen etwas komplexer.

Warum entstehen Konflikte?

Nach Glasl entstehen Konflikte, weil die Beteiligten nicht mehr in der Lage sind „konstruktiv mit ihren Differenzen umzugehen“. Diesen Aspekt schauen wir uns hier noch etwas genauer an, weil er Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung birgt. Also: Warum genau entstehen Konflikte?

Weil man sich seiner Bedürfnisse nicht bewusst ist

Immer wieder wird Menschen erst dann bewusst, welche Bedürfnisse sie haben, sobald sie nicht (mehr) befriedigt werden. Besonders betroffen hiervon sind Menschen, die von Klein an keinen Kontakt mit ihren Bedürfnissen lernen durften. Und manchmal stecken wir schon mitten im Konflikt, wenn sich das Bedürfnis dann meldet. Fragen Sie sich einmal selbst:

Wann hat Sie jemand das letzte Mal gefragt, was Sie jetzt gerade brauchen?
Wann haben Sie sich selbst das letzte Mal gefragt, was Sie gerade brauchen?
Welche Bedürfnisse, die Sie haben, fallen Ihnen jetzt gerade ein?

Weil man seine Bedürfnisse nicht angemessen berücksichtigen & artikulieren kann

Was einfach klingen mag, erweist sich im sozialen Miteinander doch häufig als etwas, was zu Spannungen führen kann. Und wenn wir uns einmal anschauen, wie Konflikte beginnen, ist das auch wenig überraschend:

  1. Wir verspüren Ärger über den Freund, der bei unserer Verabredung eine halbe Stunde zu spät kommt.
  2. Wut kommt hoch und wir wechseln innerlich in eine voreingenommene Haltung.
  3. Wir äußeren unsere Wut in Form eines Vorwurfs, wie es sein kann, dass unsere Verabredung so unzuverlässig ist.
  4. Unser Gegenüber fühlt sich verletzt und wehrt sich mit einem Gegenvorwurf, dass wir doch auch schon oft unpünktlich waren.

Solche oder ähnliche Situationen kennt jeder – auf der Arbeit, mit dem Partner, im Sport und so weiter. Auffällig an diesem Beispiel ist, dass an keiner Stelle Bedürfnisse artikuliert werden. Was glauben Sie: Welche Bedürfnisse der beiden Beteiligten wurden in dieser Situation vernachlässigt? (falls Ihnen spontan nichts einfällt, können Sie sich auch hier inspirieren lassen.)

Alternativ zum Vorwurf wird häufig eine andere Strategie gewählt: Der Betroffene behält seinen Ärger für sich, zum Beispiel aus vermeintlicher Höflichkeit oder einem Anspruch an Reife. Auf der einen Seite ermöglicht uns diese Strategie kontrolliert miteinander umzugehen. Erfährt dieses Gefühl aber nicht spätestens im Nachgang die notwendige Aufmerksamkeit, spricht die Psychologie von ungesunder Verdrängung.

Weil man nicht gelernt hat, mit Differenzen umzugehen

Konflikte begegnen uns in unserem Leben von frühester Kindheit an. Dabei waren wir entweder direkt am Konflikt beteiligt, oder haben ihn als Beobachter (vielleicht gezwungenermaßen?) mitbekommen. Über viele Jahre hinweg waren unsere Eltern dabei unsere wichtigsten Bezugspersonen, die unser Verhältnis zum Thema „Konflikte“ maßgeblich mit geprägt haben.

Wie sind Sie geprägt worden?

Kleine Selbstreflexion

Wie sind Ihre Eltern mit Konflikten umgegangen?
Wie sind Sie als Kind / Jugendlicher mit Konflikten umgegangen?
Wie fühlen Sie sich, wenn sich ein Konflikt anbahnt?
Welche Ihrer Konfliktlösungsstrategien waren bisher erfolgreich? Welche weniger?
erfahrungen

Weil man von leidvollen Erfahrungen eingeholt wird

Hat ein Mensch in seiner Vergangenheit Erfahrungen machen müssen, die sich sehr eingeprägt haben oder gar traumatisch waren, können diese das Konflikterleben massiv beeinträchtigen. Beziehungserfahrungen, unter denen ein Menschen in jungen Jahren sehr leidet, können ihn bis ins hohe Alter verfolgen, wenn er sie nicht zum Beispiel im Rahmen eines Coachings (oder beim Trauma natürlich in der Therapie!) aufarbeitet. Meist unbewusst überträgt diese Person dann alte Erfahrungen auf gegenwärtige Beziehungen. Ein Beispiel:

Eine Angestellte wird von ihrem Vorgesetzten immer wieder heftig und ungerecht abgewertet. Trotzdem bewundert sie ihn und versucht, ihm durch gute Leistungen und attraktives Auftreten zu gefallen. Auch in Beziehungen sucht sie immer wieder starke Partner, wobei sie hierbei viel Gewalt erfährt und sich trotzdem nicht trennt. Sie überträgt dabei jeweils Gefühle, die eigentlich ihrem gewalttätigen Vater gelten, auf ihren Chef oder Partner. Sie wünscht von diesen Bestätigung oder Zuwendung, nach der sie sich bei ihrem Vater gesehnt hat, ohne sie je zu bekommen.

Sie haben Schwierigkeiten im Umgang mit Konflikten oder möchten Ihr Konfliktverhalten verbessern?

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten!

Zusammenfassung

In diesem ersten von zwei Teilen zum Thema Konflikte wird deutlich, warum das Feld so individuell und bedeutend für uns Menschen ist. Das macht es auch gleichzeitig so schwierig allgemeine, pauschale Antworten zu geben, die wir uns aber doch häufig in genau der Klarheit wünschen. Mit dem Wissen aus diesem Artikel können wir aber für uns mitnehmen, dass es vor Allem eine Klarheit in uns selbst braucht, die uns niemand vermitteln kann. Wir können nur versuchen, diese Klarheit selbst zu erlangen, oder Menschen zu begegnen, die es uns ermöglichen, sie selber zu erkennen. Wie das genau von Statten gehen kann, werde ich im nächsten Artikel beschreiben. Heute verbleibe ich mit folgendem Zitat:

Wer andere besiegen will, muss sich erst selbst besiegen;
wer andere richten will, muss sich erst selbst richten;
wer andere kennen will, muss sich erst selbst kennen.

Bild von Dennis Schneider
Dennis Schneider
Die lebensverändernden Erfahrungen, die ich im eigenen Coaching machen durfte, treiben mich an. Mit meinem Coaching-Angebot möchte ich diese Begeisterung weitertragen und Menschen etwas anbieten, das wir im Alltag nur allzu selten erfahren: In unserer Individualität von Herzen gesehen zu werden.

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