10 Vergleiche zwischen Coaching und Therapie
Inhaltsverzeichnis
Coaching ist keine Therapie!
Das wichtigste möchte ich direkt zu Beginn klarstellen: Coaching ist keine Therapie und ersetzt auch keine medizinisch erforderliche therapeutische Behandlung. In meinen vorangegangenen Artikeln habe ich bereits erläutert, dass „Coaching“ kein geschützter Begriff ist. Beim Begriff „Therapie“ bzw. „Psychotherapie“ verhält es sich anders. Diesen Umstand regelt in Deutschland das Psychotherapeutengesetz (PsychThG). Dort heißt es, Psychotherapie ist:
"[...] jede mittels wissenschaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren oder Methoden berufs- oder geschäftsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist."
PsychThG § 1 Abs. 2
Aus dieser Definition leiten sich eine Reihe von Implikationen ab, die Coaching von Psychotherapie abgrenzen.
Die Unterschiede
Therapie behandelt Krankheiten, Coaching begleitet Herausforderungen
Es liegt klar in der Zuständigkeit von Psychotherapeuten, wenn sich bei der Klient:in eine psychische Störung andeutet oder vorliegt. Als Orientierung für eine erste Einschätzung dient hier zum Beispiel die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10-WHO) Um diese Grenze im Coaching nicht zu überschreiten, wird in einer professionellen Coaching-Ausbildung vermittelt, wie sich der Coach bei entsprechendem Verdacht zu verhalten hat. In erster Linie bedeutet das vor Allem, dass der Coach sich Unterstützung holt, seinen Verdacht zur Sprache bringt und sofern sich der Verdacht erhärtet, die Zusammenarbeit mit der Klient:in beendet.
Gibt es hingegen keinen begründeten Verdacht, darf der Coach in die Zusammenarbeit mit der Klient:in gehen bzw. bleiben.
Therapie erfordert die Erlaubnis zur "Heilung", coachen darf jeder.
"Wer die Psychotherapie unter der Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ ausüben will, bedarf der Approbation als „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“"
PsychThG § 1 Abs. 1
Die Erlaubnis zur Heilung nennt der Gesetzgeber „Approbation“. Um diese ausgestellt zu bekommen, muss man in Deutschland gewisse Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel ein entsprechendes Studium absolviert haben.
Hingegen existiert bisher noch keine gesetzliche Regelung, dazu wer Coachings anbieten darf. Allerdings gibt es einen kleinen Passus zur sogenannten „Psychologischen Beratung“, die gesetzlich von der Psychotherapie abgegrenzt wird. Die (Psychologische) Beratung werde ich in einem späteren Artikel noch von Coaching abgrenzen.
Therapie wird ärztlich verschrieben, Coachings können nicht verschrieben werden
Wer mit einer seelischen Belastung zum Hausarzt geht, kann sich eine Überweisung für die Psychotherapie ausstellen lassen – oder sich direkt beim Therapeuten vorstellen.
An einen Coach kann man sich nicht überweisen lassen, sondern sucht ihn direkt auf.
Der Zugang zum Coaching ist leichter als zur Therapie
Therapieplätze in Deutschland sind leider alles andere als leicht zu bekommen. Zwar muss jeder Therapeut ein gewisses Kontingent für Erstgespräche von Neupatienten zur Verfügung stellen, aber bis zur ersten Behandlung dauert es oft Monate.
Eine Coaching-Zusammenarbeit hingegen startet in der Regel sehr kurzfristig (nach 1-2 Wochen), auch, weil der Staat nicht regelt, wer in welcher Stadt in welchem Umfang Coachings anbieten darf und muss – anders, als in der Therapie.
Ihr kostenloses Coaching-Starterpaket
Das Paket enthält: Über 20 Fragen zur Selbstreflexion & 2 exklusive Coaching-Tools, die ich in meinen Coachings regelmäßig einsetze.
Alle Inhalte eignen sich auch hervorragend für die Selbstanwendung.
Coaching schaut meist nach vorne, Therapie schaut auch zurück
Die in Deutschland zugelassenen Therapieverfahren, wie zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, lassen sich natürlich nicht über einen Kamm scheren. Grundsätzlich lässt sich aber schon sagen, dass Therapie eher auch mal Erfahrungen aus der Vergangenheit der Patient:in (Therapie=Patient:in, Coaching=Klient:in) betrachtet und aufarbeitet.
Im Coaching kann das grundsätzlich auch Mal vorkommen, aber der Fokus liegt hier ganz klar auf kurzfristigen, zukunftsorientierten Lösungen.
Die Gemeinsamkeiten
Anlass für Coaching & Therapie kann identisch sein
Schwere psychische Erkrankungen einmal ausgenommen, können dieselben Anlässe Auslöser dafür sein, dass sich eine Klient:in an einen Coach oder Therapeuten wendet. Solche Auslöser können zum Beispiel sein:
- Stoßen an persönliche Grenzen
- Verlust von Motivation
- Gefühle von Hilflosigkeit
- Verlust von (Selbst-)Vertrauen
- Unzufriedenheit
Arbeit mit therapeutisch fundierten Ansätzen & Methoden
Inwieweit dieser Punkt zutrifft, hängt natürlich stark von der zugrundeliegenden Coaching-Ausbildung ab. Grundlage meiner Ausbildung war die personenzentrierte Gesprächstherapie nach Carl R. Rogers. Um diesen Ansatz ausführlich zu behandeln, bräuchte es einen eigenen Blog-Artikel. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Rogers mit seiner humanistischen Haltung etwas vertritt, dass auch in allen psychotherapeutischen Verfahren wiederzufinden ist.
Darüber hinaus wird im Systemischen Coaching mit einer Reihe von Methoden gearbeitet, die sich vor Allem auch in der kassenärztlich zugelassenen Systemischen Therapie wiederfinden lassen.
Auseinandersetzung mit den Erlebnissen der Klient:in
Sowohl in der Therapie als auch im Coaching ist der zentrale Arbeitsgegenstand die Erlebniswelt der Klient:in. Das heißt, auch im Coaching geht es nicht um die Vermittlung von Wissen oder Techniken, wie zum Beispiel im Training, sondern um die Auseinandersetzung mit sich selbst.
Therapie & Coaching sind ganzheitlich
Viele Klient:innen unterscheiden zwischen ihrer „beruflichen Welt“ und ihrer „privaten Welt“. Entsprechend bewegen sich die Themen der Klient:innen häufig scheinbar (!) in einer der beiden Welten. Gleichzeitig trennen weder Coaching noch Therapie grundsätzlich so scharf, sondern betrachten die Erlebniswelt der Klient:in als Ganzes.
Therapie & Coaching fangen etwas gesellschaftlich vernachlässigtes auf
In der westlichen Kultur, die geprägt ist von Bewertung, Leistung und Konsum, vermissen Menschen immer wieder etwas im Kontakt mit Anderen und sich selbst: (Selbst-)Mitgefühl. Was mir selbst, sowohl als Klient als auch als Coach auffällt und auch durch Mitmenschen zurückgemeldet wird, ist folgendes: Viele fühlen sich in Coaching oder Therapie in einer Form verstanden und gesehen, wie es ihnen in ihrem Alltag selten oder sogar noch nie begegnet ist. Diese Form der Zusammenarbeit erlaubt ganz oft einen Zugang zu Themen, der sonst nur schwer erreichbar ist.