Woran Sie einen guten Coach erkennen können
Inhaltsverzeichnis
Warum sich jeder (!) Coach nennen darf
Ein guter Coach ...
... hat eine qualitativ hochwertige Ausbildung durchlaufen
Dementsprechend ist es auch reine Privatsache, wie Coaching-Ausbildungen gestaltet sind. Nach meiner Auffassung sollte eine gute Ausbildung folgendes mitbringen:
- Die Ausbildung hat dem Coach die Möglichkeit geboten, den notwendigen Reifungsprozess zu durchlaufen. Üblich sind Ausbildungsdauern von 9 bis 24 Monaten und 150 - 300 Stunden Lernzeit.
- 30-50% der Ausbildungszeit werden real existente Themen von Teilnehmern oder anderen Probanden zur Übung gecoacht.
- Der Coach war und ist Teil von Supervisions- / Intervisionsrunden, in denen er sich in anonymisierter Form zu Schwierigkeiten im Coaching Unterstützung holen kann
- Eine weitere Orientierung kann die offizielle Akkreditierung durch einen großen Coachingverband darstellen, zum Beispiel Deutscher Bundesverband Coaching (DBVC), Deutscher Coaching Verband (DCV) oder International Organization for Business Coaching (IOBC)
... war selbst schon einmal Klient
Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es extrem hilfreich ist, selber schon Mal über einen längeren Zeitraum Klient im Coaching gewesen zu sein. Wenn man als Coach all die Emotionen und Gedanken kennt, die man im Coaching durchläuft, fällt es im Nachgang wesentlich leichter sich in die Welt der Klient:in einzufühlen. Natürlich erlebt jede Klient:in ein Coaching anders, doch durch den Rollenwechsel (Klient -> Coach) lernt der angehende Coach ein Gespür für genau diese Unterschiedlichkeiten in der Wahrnehmung von Menschen.
... hat ein Gespür dafür, wann es Führung braucht
Als Experte für den Prozess hat ein guter Coach ein Gefühl dafür, wann er den Prozess laufen lässt, also er die Klient:in zum Beispiel ihre Gedanken schweifen lässt. Manchmal tappen Klient:innen ganz unerwartet in einen so ergiebigen Gedankenfluss, dass es nur allzu schade wäre, diesen Moment von Bewusstwerdung zu unterbrechen.
Im Kontrast dazu ist er aber auch sensibel dafür, wann sich das Coaching „verzettelt“ hat und es ein bisschen mehr Führung braucht. Der Coach nimmt dann für einen Moment wieder das Szepter in die Hand, lenkt das Gespräch in eine bestimmte Richtung – wir sagen auch: er „interveniert“ – und zieht sich danach wieder aus der Führung zurück.
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... verrät nur in Maßen etwas über sich selbst
Das wertvolle am Coach ist, dass die Klient:in ihn als „unbeschriebenes Blatt“ wahrnehmen kann. Das erhöht die Chancen erheblich, dass der Coach als neutral wahrgenommen werden kann. Je mehr der Coach über sich selbst preisgibt, also seine eigenen Vorlieben, Hobbies, Wünsche, Träume, Bedürfnisse, und so weiter, umso schwieriger ist das für einen guten Coachingprozess. Diese sogenannte Selbstoffenbarung macht es wahrscheinlicher, dass die Klient:in zum Beispiel Vermutungen darüber anstellt, wie der Coach sie sehen oder sogar bewerten könnte. Das gefährdet die für das Coaching so wichtige Beziehungsqualität.
... begegnet seiner Klient:in authentisch
Natürlich gebietet ein Anspruch an Professionalität es, der Klient:in nicht alles „auf die Nase zu binden“, was den Coach beschäftigt (insbesondere im Hinblick auf seine „Selbstoffenbarung“) – schließlich steht das Thema der Klient:in im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.
Gleichzeitig ist es für eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung unerlässlich, dass der Coach kein Theaterstück aufführt. Fühlt er sich beispielsweise mit dem Anliegen der Klient:in eher unwohl oder hat sogar ein starkes Störgefühl, ist es absolut notwendig diesen Umstand zu thematisieren. Ansonsten steigen die Chancen, dass der Coach der Klient:in seine eigene Anschauung auferlegt und die Klient:in ebenfalls ein Störgefühl entwickelt.
... belässt die Klient:in in ihrer Autonomie
Gerade im Coaching besteht die Möglichkeit, dass der Coach von der Klient:in als jemand erlebt wird, „der es geschafft hat“. Ebenso verlockend scheint es da, immer weiter von der scheinbaren „Weisheit“ des Coaches profitieren zu wollen.
Lässt sich der Coach auf dieses Podest heben, ist die Versuchung groß, dass er diese zugeschriebene Rolle annimmt und mit dieser in das Coaching geht. Es entstünde eine Art Abhängigkeit zwischen Coach und Klient:in, die vielleicht für den Coach finanziell attraktiv, aber ganz sicher nicht im Interesse der Klient:in ist. Besonders deutlich wird das, wenn der Coach zum Beispiel:
- ... weitere Coaching-Sitzungen empfiehlt, anstatt sie anzubieten
- ... wiederholt Ratschläge erteilt, anstatt der Klient:in Möglichkeiten anzubieten eigene Lösungen zu erarbeiten
- ... die Klient:in in eine Opferrole drängt ("Da hat Herr Mustermann Sie aber wirklich mieß behandelt!"), anstatt ihr ihre eigene Wahrnehmung zu spiegeln ("Und ich verstehe Sie so, dass Sie sich da ungerecht behandelt gefühlt haben, ist das richtig?")
... hält die Klient:in beschäftigt
Was vielleicht etwas irritieren mag, ist eines der wichtigsten Dinge im Coaching: Für unser Gehirn war es evolutionär überlebensnotwendig sich Gewohnheiten und Routinen aneignen zu können, um Energie zu sparen. So praktisch diese Verhaltensmuster im Alltag sein können, so schwierig machen sie es uns, eine nachhaltige Veränderung in unserem Alltag herbeizuführen. Ein guter Coach weiß darum, und gestaltet das Coaching daher so, dass die Klient:in laufend an Ihren Themen arbeiten und diese Arbeit in ihren Alltag übertragen kann.
In einem Satz
Beenden möchte ich den heutigen Artikel mit einem Zitat, dass aus meiner Sicht hervorragend zusammenfasst, was einen guten Coach ausmacht.
Man kann niemanden etwas lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.
Galileo Galilei